anna mobil II - Fachartikel

Umfangreicher Erfahrungsbericht auf www.sotraegtman.de von Marina Sondermann

Die liebe Bettina Attenberger der Trageschule-nrw hat mir eine ganz besondere Trage zum Testen zur Verfügung gestellt: das anna-mobil II.

anna mobil IIDas erste anna-mobil vor vielen Jahren war noch komplett zum Knoten, der Nachfolger jetzt wird schnell und einfach mit Ringbits auf Tragling und tragende Person eingestellt.

Eva Sollanek, die Herstellerin, beschreibt das anna-mobil als "Synergie aus Tuch und Trage". Das anna-mobil lässt sich kaum in eine Kategorie einordnen, es ist keine Mei Tai, keine Fullbuckle, keine Wrap Con, nichts der "klassischen" Modelle. Die Trage wird nicht gebunden und hat keine Schnallen. Ihr fragt euch wie das funktionieren soll?

Ich versuche euch zunächst einmal zu erklären, wie das anna-mobil aufgebaut ist. Es besteht aus einem rechteckigen Tuchstück aus Baumwolle mit Jacquard-Webung mit 2 langen "Trägern" und 2 kurzen Enden. Diese werden mit Ringbits verbunden. Direkt hier gibt es eine weitere Besonderheit: Beim Tragen vor dem Bauch von kleinen Babies wird die Trage in sich einmal gedreht (wie man es vom Kippen beim Ringsling kennt). Bei größeren Kindern, die auf der Hüfte oder dem Rücken getragen werden, wird parallel eingefädelt. Im Folgenden erkläre ich es euch noch etwas genauer.

Anlegen - Tragen vor dem Bauch

Das anna-mobil wird asynchron getragen. Man legt es so um, wie eine Schärpe oder eine Umhängetasche mit langem Henkel. So liegt ein Ringbit auf dem Schlüsselbein der gegenüberliegenden Schulter von der Seite, auf der das Kind getragen wird. Der andere Ringbit ist unter dem Arm, auf Höhe der Rippen der tragenden Person. So entsteht ein Beutel, in den das Kind hineingesetzt wird. Sobald das Kind in dem Tuch sitzt, werden die langen Bänder durch die Ringbits straff gezogen.

Anlegen - Tragen auf der Hüfte

Beim Tragen auf der Hüfte wird die Trage im Prinzip genau so angelegt, wie beim Tragen vor dem Bauch, nur das Kind wird weiter an der Seite platziert. Je nachdem wie groß das Kind ist und was man selbst als gemütlich empfindet, kann man die Träger vorher kreuzen oder parallel einfädeln. Diese Trageweise ähnelt sehr dem Ringsling, mit der Ausnahme, dass man an dem unteren Ringbit eine weitere Möglichkeit hat, die Trage festzuziehen. An der Schulter ist weniger Stoff als bei einem Ringsling.

Tragen auf dem Rücken

Beim Tragen auf dem Rücken werden die Träger parallel eingefädelt. Diesmal schlüpft die tragende Person komplett durch die Trage, sodass sie wie ein Gürtel um das Becken liegt, es ist also kein Stoff an den Schultern. Das Kind wird auf der Hüfte in die Trage gegenüber der Ringbits gesetzt, der Tuchstoff über den Rücken des Kindes gezogen und dann wird es sanft nach hinten geschoben. Die Ringbits sind nun beide vorne, so kann die Trage dort straff gezogen werden. Die Trageweise ist wie das Kanga-Tragen im Tuch.

Trageschürzchen und -jäckchen

Zusätzlich zum anna-mobil II gibt es noch 2 kleine Helferchen: ein Trageschürzchen für vorne und ein Tragejäckchen für hinten. Die Namen sind bewusst so gewählt, damit man genau weiß, was für vorne und was für hinten genutzt wird.

Trageschürzchen:
Das Trageschürzchen ist in etwa ein X-förmiges Tuchstück, welches oben einen runden Ausschnitt für den Nacken des Kindes hat, dann in mittelbreite Träger übergeht, hinten zwischen den Schulterblättern der tragenden Person in einem Kreuz endet, wo es mit dünnen Bändern festgezogen wird, die an den unteren Enden des X befestigt sind. Die Bänder sind durch einen Ring gefädelt, sodass das Prinzip wie bei einem Flaschenzug ist. Anschließend werden diese um den Körper der tragenden Person herumgegeben und vorne geknotet (wie man es von MeiTais kennt, nur halt hier als dünne Bänder, nicht als Stoffbahn). Die Trageschürze gibt zusätzlichen Halt und bringt eine gleichmäßige Gewichtsverteilung auf beide Schultern.

Tragejäckchen:
Das Tragejäckchen sieht ein wenig aus wie eine Weste. Auch sie besteht aus einem X-förmigen Stück Stoff, hat oben mittelbreite Träger und wird mit Rucksackgurten festgezurrt. Hier steckt die gleiche Idee dahinter, dass das Jäckchen mehr Halt und Stabilität bringt und das Gewicht zusätzlich auf die Schultern ableitet.

Sowohl Trageschürzchen als auch Tragejäckchen sind zusätzliche Elemente. Sie alleine reichen nicht als Tragehilfe aus.

Mein Eindruck

Das anna-mobil ist eine Tragehilfe, die sehr wenig Platz in der Tasche wegnimmt. Sie hat keine langen Stoffbahnen wie eine MeiTai oder WrapCon und keinerlei Schnallen und gepolsterte Träger, die die Trage wuchtig machen.

Dadurch, dass sie vorgebunden ist, kommen keine Bänder auf den Boden, wenn man sie bindet. Wenn das Kind vorne oder auf der Hüfte getragen wird, kann das anna-mobil II einfach bereits unter der Jacke der tragenden Person angezogen werden und bei Bedarf kann das Kind schnell in die Trage gesetzt werden. Es ist also sehr praktisch für Kinder, die zunächst im Kinderwagen oder Autositz sind, aber auch später als Hüftsitz für Lauflinge.

Wenn man sich mit der Trage einmal auseinander gesetzt hat, lässt sie sich sehr schnell und einfach anlegen (wie eine Umhängetasche beim Vorne-Tragen oder wie ein Kangatuch beim Hinten-Tragen). Schaut euch am besten die Anleitungsvideos an. Sie erklären sehr deutlich, wie die Trage einzustellen ist. Das anna-mobil ist schnell anpassbar als Trage für vorne, Hüfte oder Rücken und lässt sich sehr gut von mehreren Personen benutzen.

Ich fand die Trage größtenteils sehr gemütlich. Ich habe sie mit Tragepuppe (Newborn), einem Baby von 6 Monaten und meinem Toddler mit 1.5 Jahren (11kg, 80cm) getestet. Mit meinen 55kg bei 1,72m war ich teilweise zu schlank für die Trage, sodass ich die Träger teilweise etwas schwieriger festziehen konnte, da ich in den breiten Teil kam, aber das war kein großes Problem. Ich konnte die Trage immer ausreichend festziehen, sodass alle Kinder sicher darin saßen. Wenn man allerdings nicht viel Speck hat und etwas empfindlich ist, kann es sein, dass einen die Ringbits stören, da diese nicht unterpolstert sind und teilweise an den Rippen oder am Schlüsselbein liegen. Sollte jemand da empfindlich reagieren, könnte man aber locker mit einem Gurtpolster von bekannten Herstellern aushelfen oder den restlichen Tuchstrang darum binden.

Beim Trageschürzchen hat es mich etwas gestört, dass die dünnen Bänder minimal einschneiden, aber auch hier kann man diese mit Gurtpolstern, Babylegs (Stulpen) o.ä. bequemer machen oder man achtet darauf, dass die Bänder entlang des Tragetuchs vom anna-mobil verlaufen, also nicht direkt auf dem eigenen Körper.

Mit den leichten Gewichten (Newbornpuppe und 6 Monate-Baby mit ca. 6kg) fand ich auch das Tragen ohne Trageschürzchen sehr bequem, obwohl man ja nicht die typischen zwei Träger hat. Dadurch, dass die Trage an der Schulter und der Taille festgezogen wird, liegt das Gewicht nicht nur auf der einen Schulter, sondern verteilt sich über den gesamten Rücken.

Auch den Hüftsitz mit meinem Toddler fand ich sehr praktisch und gemütlich. Beim Rückentragen sind die Ringbits vorne auf dem Brustkorb. Hier kann ich mir gut vorstellen, dass das nicht für jeden angenehm ist, mich hat es nicht gestört. Für mein 11kg Kleinkind habe ich dazu aber das Tragejäckchen benutzt, nur das anna-mobil hat hier nicht mehr ausgereicht. Bei dem 6kg-Baby hingegen war das anna-mobil sehr gemütlich. Ich hatte das Gefühl, dass das Baby sicher auf meinem Rücken sitzt. Natürlich zieht man die Trage hin und wieder nach (wie bei einem trägerlosen Top), aber bei langen Strecken empfiehlt die Herstellerin das Tragejäckchen.

Bei allen Trageweisen konnte ich die Kinder gut in die entsprechende Anhock-Spreiz-Haltung setzen und gut stützen. Zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass es eventuell etwas schwieriger ist, den Kopf ausreichend zu stützen, aber wenn man das Tragetuch von an Anfang an entsprechend hoch zieht und eventuell noch ein kleines Tuch einschlägt, ist es absolut kein Problem. Wie bei fast jeder Tragehilfe benötigt es etwas Übung das Kind perfekt hineinzusetzen.

Eventuell könnten die langen Tuchenden etwas breiter sein, sodass mehr Stoff auf der Schulter liegt (beim Tragen vor dem Bauch oder auf der Hüfte). Leider hat sich das Tuchende auch hin und wieder im Ringbit verdreht. Hier müssten eventuell die Kanten etwas stabiler sein. Zu Beginn viel es mir auch etwas schwer, die Mitte des Tuches zu straffen, ich hatte das Gefühl, dass eher die obere und untere Kante straff gezogen wurden, aber wenn man wie in der Video-Anleitung erklärt wird, den Stoff Richtung Ringbits gibt und nach hinten wegstreicht und dann zieht, lässt sich das Tuch rundherum straffen.

Was anfangs etwas befremdlich sein mag, ist dass der eine Tuchstrang beim Vorne-Tragen nach hinten über die Schulter straff gezogen wird und der andere hinter dem Rücken (von den Rippen ausgehend). Da der Stoff sich aber wirklich leicht durch die Ringbits ziehen lässt, sollte dies kein Hindernis sein.

Beim Tragen der Newborn-Puppe hatte ich das Gefühl, dass diese sehr tief sitzt. Ich fand es gemütlich, aber die oft genannte "Kopfkusshöhe" war bei uns nicht gegeben. Durch das Schürzchen allerdings lässt sich das Baby gut auf Kusshöhe ziehen. Das Kind ist dann durch das Tuch quer und mit den Schürzchen zusätzlich auch längs gestützt; auch die optimale Stegbreite ist stets gegeben, wie man es von Tragetüchern kennt.

Beim Tragen auf dem Rücken saßen die Kleinen ebenfalls recht tief. Dadurch, dass der Stoff ja quasi auf einer Höhe um unsere beiden Körper geht und nicht wie bei einem Tragetuch über meine Schultern, habe

ich meinen Laufling nicht so hoch bekommen, wie ich es gewohnt bin. Durch das Tragejäckchen bekommt man das Kind etwas höher.

Trage für besondere Situationen

Ich sehe die Stärke vom anna-mobil besonders da, wo die Trageeltern körperlich eingeschränkt sind. Egal ob z.B. eine Hand, ein Arm oder eine Schulter nicht komplett beweglich sind oder weniger Kraft haben, oder ob die tragende Person z.B. im Nacken sehr empfindlich ist. Wer mit dem Ringsling nicht so gut klar kommt, sollte mal den Hüftsitz mit dem anna-mobil testen. Auch zum Tandemtragen ist das anna-mobil sehr praktisch. Wenn ich damit vorne trage, lässt sich das 2. Kind sehr gut im Einfachen Rucksack mit dem Tragetuch oder im Onbu tragen. Es ist einfach super, dass ich keine dicken Träger, keine Schnallen und keine langen Tuchenden am anna-mobil habe.

Mein Fazit

Das anna-mobil lässt sich sehr gut für verschiedene Größen nutzen, von Neugeboren bis zum Laufling lassen sich alle Kinder gut darin transportieren. Sowohl vor dem Bauch, als auch auf der Hüfte und dem Rücken ist das Kind schnell eingebunden und der Tragekomfort ist gegeben, wenn man sich nicht an den Ringbits stört. Trageschürzchen und -jäckchen geben den versprochenen zusätzlichen Halt. Durch das kleine Packmaß und dadurch, dass sich die Trage vorgebunden anziehen lässt, ist sie sehr praktisch für unterwegs und "mal eben schnell".

Das anna-mobil II kostet einzeln 99€, das Schürzchen und Jäckchen jeweils 35€. Als Komplettset kosten die 3 Teile 149€. Mit diesem Preis liegt es im normalen Bereich für Tragehilfen. Da es wirklich die gesamte Tragezeit nutzbar ist, lohnt sich die Investition!

Ich vermute, dass Trageanfänger sich nicht unbedingt an das anna-mobil trauen, weil sie es möglichst schnell und einfach wollen und vielleicht nicht ausreichend vertrauen in das System haben, da es halt nicht den typischen Steg gibt, auf den das Kind gesetzt wird, sondern den Beutel wie man es beim Tragetuch kennt.

Als Trageberaterin kann ich nur sagen: Probiert das anna-mobil aus und schaut ob es zu euch passt. Ich habe auf jeden Fall Gefallen daran gefunden!

 

Kompletter Bericht mit vielen Bildern auf www.sotraegtman.de

 

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